Wissenswertes über Bremsflüssigkeit

Bremsflüssigkeit ist für den Spaß am Motorradfahren ebenso wichtig wie Motoröl und Benzin – und mindestens so interessant.

Wissenswertes über Bremsflüssigkeit

Bremsflüssigkeit Basiswissen

Gute Bremsen sind für die Fahrsicherheit auf dem Motorrad unabdingbar. Viele Biker denken zwar an ihre Bremsbeläge, vergessen aber gern, dass vor allem auch die Bremsflüssigkeit einer hydraulischen Bremsanlage regelmäßig gewechselt werden muss. Warum?

Bremsflüssigkeit basiert in der Regel auf Glycol. Diese Flüssigkeit ist aber hygroskopisch, d.h. auch im geschlossenen System nimmt Glycol mit der Zeit Wasser auf. In der Folge sinkt der Siedepunkt (Wasser verdampft bekanntermaßen schon bei Temperaturen über 100° C). Durch die Reibung des Belags an der Bremsscheibe entsteht beim Bremsen aber einige Hitze, die sich bis in den Bremssattel fortsetzt – denken wir nur an eine Gefahrenbremsung oder eine Berg-Abfahrt. Ist der Wassergehalt in der Bremsflüssigkeit zu hoch, können sich in dieser unter großer Hitze Dampfbläschen bilden. Diese Dämpfbläschen können den Druck in der Hydraulik nicht mehr optimal transportieren – in der Folge bricht der Bremsdruckpunkt zusammen, d. h. das Bremspedal oder der Handhebel gibt nach, die Bremswirkung bleibt aus und erst nach einigem Pumpen wird wieder ein Druckpunkt spürbar.


Achtung: Bremsflüssigkeiten sind Sondermüll und gehören nicht ins Altöl, in den Boden oder ins Abwasser. Gib deine nicht mehr benötigte Bremsflüssigkeit daher bei deinem Händler, in einer Louis Filiale oder in der Sondermüllannahmestelle ab! Da Bremsflüssigkeit auch einige Kunststoffe angreift, fülle bitte alte Bremsflüssigkeit am besten in den Originalbehälter ab. Lagere deine angebrochene Bremsflüssigkeit immer kindersicher mit gut verschlossenem Deckel bei gleichmäßiger Temperatur an einem trockenen Ort.


Achtung Ausnahme: Hier muss Hydrauliköl rein.

Achtung Ausnahme: Hier muss Hydrauliköl rein.

Aus diesem Grunde ist es für die Verkehrssicherheit unerlässlich, Glycol-Bremsflüssigkeit regelmäßig nach Herstellerangabe (alle 1 – 2 Jahre) auszuwechseln. Ist nicht mehr bekannt, wie lange die Bremsflüssigkeit sich schon im System befindet, kann diese mit einem Tester geprüft werden. 

Ist kein Tester zur Hand, gibt auch die Färbung in etwa Aufschluss über das Alter: Neue Glycol-Bremsflüssigkeit ist transparent-gelb eingefärbt, je älter diese wird, desto dunkler sieht sie aus. Undurchsichtige, schmutzig-braune Flüssigkeit wechselt man besser aus. Das gilt auch für die Hydraulikflüssigkeit in einer hydraulischen Kupplung, die im Allgemeinen ebenfalls mit DOT 4 Bremsflüssigkeit befüllt ist, jedoch auch spezielles Hydrauliköl sein kann! Beachte hierzu den Deckel des Flüssigkeitsbehälters.

Auf die DOT-Klasse kommt es an: verschiedene Bremsflüssigkeiten.

Auf die DOT-Klasse kommt es an: verschiedene Bremsflüssigkeiten.

DOT-Klassen

Das „American Department of Transportation (DOT)“ unterscheidet folgende Qualitätsklassen für Kfz-Bremsflüssigkeit auf Glycol-Basis:

  • DOT 3: Nasssiedepunkt ca. 140° C
  • DOT 4: Nasssiedepunkt ca. 160° C
  • DOT 5.1: Nasssiedepunkt ca. 180° C
  • Racing Formula: noch höherer Nasssiedepunkt (Die Zahlenwerte werden von den unterschiedlichen Herstellern etwas abweichend angegeben).

DOT 4 ist die bei weitem verbreitetste, auf Glycolbasis hergestellte Hydraulikflüssigkeit im Kfz-Bereich, die qualitativ geringerwertige DOT 3 Flüssigkeit wird heute kaum noch eingesetzt. Die zuvor genannten Bremsflüssigkeiten sind untereinander mischbar, willst du also z. B. von DOT 4 auf die höherwertige DOT 5.1 (nicht DOT 5!) Flüssigkeit wechseln, müsste das System dazu nicht unbedingt komplett gespült werden, auch wenn du so natürlich die beste Wirkung erhältst. DOT 3 kann in der Regel durch DOT 4 ersetzt werden, nur im Oldtimerbereich ist hier teilweise Vorsicht geboten, weil DOT 4 sich Gummiteilen gegenüber etwas aggressiver verhält als DOT 3 (frage im Zweifel bitte einen Oldtimer-Spezialisten).

Alle Bremsflüssigkeiten auf Glycolbasis sind giftig und greifen Materialien wie Lack, Kunststoff sowie einige Gummiarten an. Auch Metalloberflächen können angegriffen werden. Achte daher auf den sorgsamen Umgang beim Arbeiten mit Bremsflüssigkeit und wische Tropfen oder übergeschwappte Flüssigkeit sofort weg und spüle es mit Wasser nach.

Neben den genannten Hydraulikflüssigkeiten auf Glycolbasis ist auch Bremsflüssigkeit der Klasse DOT 5 (nicht 5.1!) im Handel erhältlich. Diese wird auf Silikonbasis hergestellt und findet vor allem in zahlreichen Fahrzeugen der Marken Harley-Davidson und Buell Verwendung. Sie darf keinesfalls mit den vorher genannten Flüssigkeiten gemischt werden (Flockenbildung, Verstopfung des Systems).

Silikon-Bremsflüssigkeit ist nicht hygroskopisch und kann daher länger im System belassen werden (je nach Fahrzeugherstellerangabe). Die Umstellung einer DOT 3 oder DOT 4 Bremsanlage auf DOT 5 wäre nur nach der inneren Reinigung des gesamten Hydrauliksystems möglich, ferner müsste der Fahrzeughersteller bzw. der Bremsenhersteller eine Freigabe erteilen.

Hinweis: Die Bremsflüssigkeit auf Silikonbasis greift die Materialien nicht an, ist dafür aber extrem giftig. Bitte wasche auf jeden Fall nach dem Arbeiten mit Bremsflüssigkeit deine Hände und achte darauf, dass die Flüssigkeit nicht in falsche Hände gerät.


Vorgeschriebene Bremsflüssigkeit auf dem Deckel ablesen

Vorgeschriebene Bremsflüssigkeit auf dem Deckel ablesen

In der Regel ist auf dem Original-Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters die vom Hersteller vorgeschriebene Flüssigkeit nachzulesen. Ansonsten muss ein Wartungshandbuch zu Rate gezogen oder der Vertragshändler befragt werden.


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Bitte beachten!

Bei den Schraubertipps handelt es sich um allgemeine Vorgehensweisen, die nicht für alle Fahrzeuge oder alle einzelnen Bauteile zutreffend sein können. Die jeweiligen Gegebenheiten bei dir vor Ort können unter Umständen erheblich abweichen, daher können wir keine Gewähr für die Richtigkeit der in den Schraubertipps gemachten Angaben übernehmen.

Wir danken für dein Verständnis.


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