Vibrationen minimieren

Vibrationen können nerven und Motorrad-Teile zerstören. Zum Glück kann man gegen Vibrationen eine Menge tun.

Vibrationen minimieren

Vibrationen treten an fast jedem Motorrad mehr oder weniger stark auf. Motorradtester schreiben dann gerne vom „Charakter“ der Maschine oder von „Seelenmassage“. Aber je nach Frequenz und Stärke können die Schwingungen auch ganz schön nervig sein. Und spätestens, wenn nach zwei Stunden Fahrt die Finger kribbeln und die Füße einschlafen, ist Schluss mit lustig. Erst recht ärgerlich wird die Sache, wenn an der Maschine Risse entstehen oder sich Schrauben unerlaubt von ihrem „Arbeitsplatz“ am Motorrad entfernen. Spätestens dann sollte man etwas gegen die unerwünschten Auswirkungen von Vibrationen unternehmen.


Vibrationen minimieren

Hantelprinzip: Je nach Gewicht werden unterschiedliche Frequenzen absorbiert.

Hantelprinzip: Je nach Gewicht werden unterschiedliche Frequenzen absorbiert.

Lenker und Spiegel

Fangen wir da an, wo Vibrationen dem Fahrer am meisten zu schaffen machen: am Lenker. Hier sind es meist die hochfrequenten, kribbeligen Schwingungen, die den Fahrspaß trüben. Mancher Hersteller lagert deshalb bereits ab Werk die Lenkerböcke in Gummi. Das funktioniert, hat aber den Nachteil, dass darunter ein wenig die Lenkpräzision und das Feedback vom Vorderrad leiden.

Die bewährte Alternative sind schwere Lenkerenden, die durch ihr bloßes Gewicht Vibrationen vernichten – Prinzip Massenträgheit. Problem dabei: Nicht jede Masse passt zu jeder Schwingung. Bei gazzini hat man deshalb variable Vibrationskiller entwickelt, deren Gewicht sich wie bei einer Hantel mit verschiedenen Scheiben variieren lässt.

Spiegel mit Vibrationsadapter

Spiegel mit Vibrationsadapter

Sind die Lenkerenden erst einmal ruhiggestellt, haben auch die Rückspiegel weniger Anlass, ein verschwommenes Bild zu liefern. Ist die Rücksicht trotzdem unbefriedigend, weil durch Vibrationen verzerrt, können spezielle Spiegel-Vibrations-vernichter Abhilfe schaffen. Die funktionieren wie Gummilager und entkoppeln den Spiegel zusätzlich vom Rest der Maschine.


O-Ringe verhindern Vibrationsrisse am Kennzeichen

O-Ringe verhindern Vibrationsrisse am Kennzeichen

Nummernschild und Verkleidung

Besonders empfindlich reagieren die dünnen Bleche von amtlichen Kennzeichen auf Vibrationen. Besonders Ein- und Zweizylinder-Fahrer können davon ein Lied singen. Die eleganteste Lösung sind hier kleine O-Ringe und passende Unterlegscheiben. So entkoppelt man das teuer erkaufte Dokument schwingungstechnisch vom Kennzeichenhalter und erspart sich bei der nächsten Hauptuntersuchung unnötigen Ärger. Damit auch die Halterung selbst lange hält, verwende selbstsichernde Muttern. Flüssige Schraubensicherung schützt zusätzlich vor Vibrationsverlusten.

Auch bei Verkleidungsschrauben kannst du O-Ringe hinterlegen. So lassen sich die Verkleidungsteile von den Schwingungen des Motors entkoppeln und vor Rissen und Scheuerstellen schützen.

Angenehmer Zusatznutzen: Es werden dadurch auch Geräusche minimiert, die starre oder verspannte Verkleidungen gerne produzieren. Was wir als Geräusch wahrnehmen, ist schließlich auch nichts anderes als vibrierende Luft. Dieser Trick mit den O-Ringen funktioniert auch gut an Verkleidungsscheiben.

Dichtungsmittel verhindert Dröhngeräusche

Dichtungsmittel verhindert Dröhngeräusche

Wo wir gerade bei Geräuschen sind: Mehrteilige Verkleidungen, die bei bestimmten Motor-Drehzahlen oder Geschwindigkeiten Dröhngeräusche von sich geben, kann man mit einer Wulst aus Dichtungsmasse an den Verbindungs- und Berührungspunkten beruhigen. Die Masse sollte aber vor der Montage der Verkleidung ausgehärtet sein.


Füllschaumpolster verhindern Vibrationen und Klapper-Geräusche

Füllschaumpolster verhindern Vibrationen und Klapper-Geräusche

Tank, Batterie und Lampe

Motorrad-Tanks sind normalerweise durch Gummielemente vom Rahmen entkoppelt. Diese Gummipuffer leiden natürlich auch selbst unter den dauernden Vibrationen. Mit den Jahren werden sie, wie alle Gummiteile, spröde und brüchig. Wenn deine Maschine also bereits etliche Lenze auf dem Buckel hat, schau lieber mal unter den Tank, ob da noch alles dämpft, wie es soll. 

Ein Blick ins Batteriefach der Maschine kann übrigens auch nicht schaden. Denn auch die Stromspeicher, egal welcher Bauart, mögen keine Vibrationen. Hier hilft Auspolstern mit Moos- oder Schaumgummimatten – erst recht, wenn dort statt einer Standardbatterie ein leichterer und kleinerer Lithium-Ionen-Akku seinen Job machen soll.

Lampenhalter mit Gummilagerung

Lampenhalter mit Gummilagerung

Manche (meist ältere) Motorradmodelle sind bekannt dafür, regelmäßig die Glühlampen im Scheinwerfer zu zerstören. Wenn auch in deinem Motorrad die Glühlampen nie die vom Hersteller versprochene Lebensdauer erreichen, könnte das an mangelnder Vibrationsdämpfung liegen. Hier könnte ein Scheinwerferhalter helfen, der in Gummi gelagert ist.


Vibrationsdämpfergummis entkoppeln starre Verbindungen

Vibrationsdämpfergummis entkoppeln starre Verbindungen

Sonstige Anbauteile und Schraubverbindungen

Ein gutes Mittel gegen das plötzliche Lösen von Schraubverbindungen, Vibrationsrisse oder sogar den Verlust von Zusatzinstrumenten sind Vibrationsdämpfer-Gummis, auch bekannt als Gummi-Metall-Puffer, Schwingungsdämpfer oder Silent-Blöcke. Mit Hilfe dieser genialen Verschraubungen lassen sich Leuchten, Seitendeckel, kleinere Öltanks, Batterieträger oder Kotflügel beruhigen – gut für ein langes Leben dieser Bauteile. 

Ein weiteres Hilfsmittel gegen Lösen von Schraubverbindungen ist der Einsatz von flüssiger Schraubensicherung. Trage einen Tropfen der Flüssigkeit auf das Schraubengewinde auf, bevor du die Schraube einsetzt. Die Flüssigkeit härtet aus und verhindert das selbsttätige Lösen. Das flüssige Mittel gibt es in verschiedenen Wirkungsklassen: z. B. mittelfest und hochfest. Je nach Festigkeit ist zum Lösen der ausgehärteten Flüssigkeit ein hoher Kraftaufwand nötig und bei den hochfesten Mitteln sogar der Einsatz von Hitze.

Zur Sicherung der Mutter werden Splinte eingesetzt

Zur Sicherung der Mutter werden Splinte eingesetzt

Für manche Verschraubungen bietet sich auch die Verwendung selbstsichernder Muttern an. Bei ihnen verhindert ein Kunststoffring das Lösen.

An größeren Schraubverbindungen kommen oft Splinte gegen ein Lösen zum Einsatz. Sie werden durch eine Bohrung im Schraubenbolzen gesteckt. Splinte gibt es in zwei Varianten: Einweg-Splinte sollten, wenn sie einmal entfernt wurden, aus Sicherheitsgründen stets durch ein neues Exemplar ersetzt werden. Dauersplinte können mehrmals verwendet werden.


Die Wurzeln des Übels: Motor und Räder

Grundsätzlich entstehen die meisten Vibrationen an den bewegten Teilen der Maschine, also im Motor oder an den Rädern (Ausnahme: Fahrtwind-Einflüsse). Um das Übel bei der Wurzel zu packen, wäre es also sinnvoll, erst einmal für einen runden Motorlauf zu sorgen. Inwieweit das möglich ist, hängt natürlich stark vom jeweiligen Triebwerk ab: Ein Einzylinder wird nie so geschmeidig laufen wie ein Reihenvierer. Aber korrektes Ventilspiel, ein sauberer Luftfilter, frische Zündkerzen und, bei älteren Maschinen, genau synchronisierte Vergaser siehe Schraubertipp Vergaser-Synchronisation, können bei allen Motoren das Schwingungsverhalten verbessern.

Rad ausbalancieren und auswuchten vermindert Vibrationen

Rad ausbalancieren und auswuchten vermindert Vibrationen

An den Rädern ist Unwucht ein nicht zu unterschätzender Vibrationsverursacher. Im Fahrbetrieb nutzt sich das Reifenprofil nicht gleichmäßig ab. Dadurch ändert sich die Gewichtsverteilung und das Rad läuft nicht mehr rund. Das verursacht Schwingungen. Diese sind besonders am Vorderrad unangenehm, da sie im Lenker spürbar sind und sich auf die Fahrerhände übertragen. Die Unwucht lässt sich am besten kontrollieren, wenn man das Vorderrad ausbaut, es auf einen Auswuchtbock ausbalanciert und mit entsprechenden Reifen-Auswuchtgewichten auswuchtet. Im Übrigen sollte man Reifen sowieso nicht bis zur Mindest-Profiltiefe verschleißen. Ein frisches, sauber ausgewuchtetes Gummi-Pärchen bereitet nicht nur den Vibrationen ein Ende, sondern auch sonst viel mehr Fahrspaß.


Das Louis Technikcenter

Solltest du eine technische Frage zu deinem Motorrad haben, wende dich gerne an unser Technik-Center. Dort hat man Erfahrung, Nachschlagewerke und Adressen ohne Ende.

Bitte beachten!

Bei den Schraubertipps handelt es sich um allgemeine Vorgehensweisen, die nicht für alle Fahrzeuge oder alle einzelnen Bauteile zutreffend sein können. Die jeweiligen Gegebenheiten bei dir vor Ort können unter Umständen erheblich abweichen, daher können wir keine Gewähr für die Richtigkeit der in den Schraubertipps gemachten Angaben übernehmen.

Wir danken für dein Verständnis.


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