Werkzeug für deine Motorrad-Werkstatt 

Selbst am Motorrad schrauben, Wartungsarbeiten erledigen und Zubehörteile montieren – dazu braucht es nur ein Wartungshandbuch, etwas Ruhe zum Arbeiten und vernünftiges Werkzeug. 

Werkzeuge für deine Motorrad-Werkstatt

Werkzeuge Basiswissen

Zahlreiche einfache Wartungsarbeiten am Bike lassen sich leicht selbst erledigen und manche Zubehörteile ohne teuren Werkstatt-Aufenthalt montieren, wenn man über drei Dinge verfügt: Ein Wartungshandbuch zum eigenen Fahrzeug, etwas Ruhe zum Arbeiten und vernünftiges Werkzeug. Gerade ungeübte Schrauber besitzen Letzteres häufig (noch) nicht. Eine zufällige Ansammlung unprofessioneller Schraubendreher, eine Billig-Wasserpumpenzange und eine stumpfe Kneifzange, dazu ein paar Maulschlüssel minderer Qualität bescheren ihrem Nutzer mehr Frust als Lust. Mit einer sinnvollen Auswahl qualitativ hochwertiger Werkzeuge jedoch kann das Selber-Schrauben viel Freude bereiten und zudem Geld sparen helfen.

Grundausstattung fürs Schrauben

Für kaum mehr als den Gegenwert einer Mechanikerarbeitsstunde gönnst du dir am besten zuerst einen guten, etwas umfangreicheren Steckschlüsselsatz („Knarrenkasten“) mit einer großen (1/2" bzw. 3/8") und einer kleinen (1/4") Knarre, zahlreichen Nüssen, Bits, Bithalter, Gelenken und Verlängerungen. Damit kannst du die allermeisten Schraubverbindungen an deinem Bike, auch solche an versteckten Stellen, lösen. Es muss kein sündhaft teures Profigerät sein, aber auf alle Fälle Chrom-Vanadium-Stahl.

Abb. 1 a:  – Metrischer Steckschlüsselsatz

Abb. 1 a:  Metrischer Steckschlüsselsatz

Abb. 1 b – Metrischer Maulschlüsselsatz

Abb. 1 b: Metrischer Maulschlüsselsatz

Abb. 2 a – Komplettkasten mit metrischen oder zölligen Werkzeugsätzen

Abb. 2 a: Komplettkasten

Abb. 2 b – Komplettkasten mit metrischen oder zölligen Werkzeugsätzen

Abb. 2 b: Komplettkasten

(Abb. 1: Ein metrischer Steckschlüsselsatz und ein Maulschlüsselsatz sind unabdingbar...)

(Abb. 2: ...oder ein Komplettkasten mit metrischen oder zölligen Werkzeugsätzen.)

Hilfreich sind Nüsse mit Flankenangriff, damit vermeidest du „vergniedelte“ Sechskantschrauben und, – falls es doch passiert ist – können evtl. sogar manche vergniedelte noch gelöst werden: z. B. Rothewald Steckschlüsselsatz (Abb. 1 a). Zum Gegenhalten von Muttern wird häufig ein zweites Werkzeug benötigt. Daher ist ein großer Ring-Maulschlüsselsatz ebenfalls unabdingbar (Abb.1 b). Oder du entscheidest dich für einen Komplettkasten, z. B. von Rothewald mit Ring-Maulschlüsseln, Schraubendrehern, Zangen und zusätzlicher 3/8 " (mittelgroßen) Knarre (Abb. 2 a).

Abb. 3 a – Zangen

Abb. 3 a: Zangen

Abb. 3 b – Hammer ca. 300 g.

Abb. 3 b: Hammer ca. 300 g,

Abb. 3 c – LED-Multifunktionstester

 Abb. 3 c: LED-Multifunktionstester

Abb. 3 d – Set Kabelschuhe mit passender Quetschzange

Abb. 3 d: Set Kabelschuhe mit passender Quetschzange

Abb. 3 e – Selbstverschweißendes Isolierband

Abb. 3 e: Selbstverschweißendes Isolierband

Abb. 3 f – Bürstenset zum Entfernen von Schmutz und Korrosion

Abb. 3 f: Bürstenset

(Abb. 3: Immer hilfreich sind Zangen, ein Hammer, ein LED-Multifunktionstester, ein Japanstecker-Set, ein Bürsten-Set und selbstverschweißendes Isolierband.)

Besitzer einer Harley oder eines klassischen Engländers benötigen natürlich Zollwerkzeug. Dafür eignet sich z. B. der Rothewald Zoll-Werkzeugsatz inkl. Ring-Maulschlüsseln und Kugelkopf-Innensechskantschlüsseln (Abb. 2 b).

Abb. 4 – Digital-Messschieber

Abb. 4: Digital-Messschieber

Zusätzlich sollte vorhanden sein: Ein Zangenset z. B. von KNIPEX (Abb. 3 a), ein mittlerer Hammer (ca. 300 g, z. B. von Gedore (Abb. 3 b)), ein Multifunktionstester zur zuverlässigen Erkennung von Spannung und Aufspüren von Elektrikfehlern (Abb. 3 c), ein Set Kabelschuhe mit passender Quetschzange (Abb. 3 d), eine Rolle selbstverschweißendes Isolierband (Abb. 3 e), ein Bürstenset zum Entfernen von Schmutz und Korrosion (Abb. 3 f) und ein Messschieber zum Vermessen (Abb. 4).

Erweiterte Ausstattung für die Werkstatt

Obwohl du mit den Bits aus dem Steckschlüsselsatz auch Schlitz-, Kreuzschlitz- und Innensechskantschrauben drehen kannst, wirst du vermutlich dennoch manchmal lieber mit herkömmlichen Schraubendrehern arbeiten wollen, weil diese widerstandsfähiger sind (Abb. 5 a). Finden sich viele Kreuzschlitz- oder Schlitzschrauben an deinem Bike, ist ein Schlagschrauber (Abb. 5 b) eine wirklich große Hilfe, denn häufig sitzen solche Schrauben lausig fest, und „vergniedeln“ rasch. Schwer zugängliche Innensechskantschrauben dreht man am besten mit den inzwischen bereits recht preiswerten Kugelkopf-Schlüsseln (Abb. 5 c), z. B. von Rothewald, die sich winklig ansetzen lassen. Zum Lösen festsitzender Teile am Fahrzeug ist oftmals ein lösender Schlag mit einem Gummi- oder Plastikhammer (Abb. 5 d) hilfreich. Der stählerne Werkstatthammer wäre hier oftmals eher fatal in der Wirkung ...

Abb. 5 a – Ein Schraubendreher-Set

Abb. 5 a: Schraubendreher-Set

Abb. 5 b – Ein Schlagschrauber

Abb. 5 b: Schlagschrauber

Abb. 5 c – Innensechskantschlüssel

Abb. 5 c: Innensechskantschlüssel

Abb. 5 b – Ein Vario-Hammer

Abb. 5 d: Vario-Hammer

(Abb. 5: Ein Schraubendreher-Set, ein Schlagschrauber, einige Innensechskantschlüssel und ein Vario-Hammer gehören ebenso zur Erweiterung deiner Werkstatt...)

Irgendwann wirst du wahrscheinlich auch einmal ein Fahrzeugteil abbauen müssen, das mit einem Spreng- oder Seegerring fixiert ist. Dazu wird eine spezielle Seegeringzange (Abb. 6 a) für innenliegende und außenliegende Ringe benötigt. Wenn du z. B. Reparaturarbeiten am Motor vornehmen möchtest, oder auch irgendwie nicht das rechte Gefühl in der Hand hast, um Schrauben ihrer Bestimmung und Größe entsprechend anzuziehen, solltest du einen kleinen und einen Drehmomentschlüssel (Abb. 6 b) besitzen. Mehr zum Thema findest du im Schraubertipp Drehmomentschlüssel Basiswissen.

Abb. 6 a – Ein Seegering-Zangensatz

Abb. 6 a: Ein Seegering-Zangensatz

Abb. 6 b – Großer und Kleiner Drehmomentschlüssel

Abb. 6 b: Großer und Kleiner Drehmomentschlüssel

Abb. 6 c – Ein Batterieladegerät

Abb. 6 c: Ein Batterieladegerät

Abb. 6 d – Ein Motorradheber

Abb. 6 d: Ein Motorradheber

(Abb. 6: ... wie ein Seegering-Zangensatz, je einen „großen“ und „kleinen“ Drehmomentschlüssel, ein Batterieladegerät und ein Motorradheber.)

So massiv die Drehmomentschlüssel auch aussehen, sie werden nur zum Anziehen und niemals zum Lösen festsitzender Schrauben benutzt, denn sonst kann die innere Mechanik Schaden nehmen. Als nächstes solltest du dir ein Batterieladegerät (Abb. 6 c) anschaffen, das für die Batterie deines Bikes geeignet ist. Mehr zum Thema findest du im Schraubertipp Ladegeräte.

Hat dein Motorrad keinen Hauptständer, solltest du dir auch einen passenden Heber (Abb. 6 d) gönnen, damit du es beim Basteln und während der Winterruhe sicher abstellen kannst, und auch in der Lage bist, das Hinterrad zum Schmieren der Kette zu drehen. Mehr zum Thema findest du im Schraubertipp Heber Basiswissen. Tja, damit wäre die Hobbywerkstatt schon ziemlich gut bestückt. Weitere Werkzeuge werden erst benötigt, wenn spezielle Arbeiten durchzuführen sind.


Unsere Empfehlung


Spezial-Werkzeug

Abb. 7 a – Bremskolbenrücksteller

Abb. 7 a: Bremskolbenrücksteller

Abb. 7 b – Bremsenentlüftungsgerät

Abb. 7 b: Bremsenentlüftungsgerät

Abb. 7 c – Modellspezifischer Ölfilterschlüsselaufsatz

Abb. 7 c: Modellspezifischer Ölfilterschlüsselaufsatz

Abb. 7 d – Synchrontester mit 2 Uhren

Abb. 7 d: Ein Synchrontester mit 2 oder 4 Uhren (ohne Abb.)

Abb. 7 e – Zündspannungs-Prüfer

Abb. 7 e: Zündspannungs-Prüfer

Abb. 7 f – Digital-Multimeter

Abb. 7 f: Digital-Multimeter

(Abb. 7: Zu den hilfreichen Spezialwerkzeugen gehören z. B. ein Bremskolbenrücksteller, ein Bremsenentlüftungsgerät, ein modellspezifischer Ölfilterschlüsselaufsatz, Synchrontester, Zündspannungs-Prüfer, ein Digital-Multimeter...)

Abb. 8 – Gewindefeile

Abb. 8: Gewindefeile

Für den immer wiederkehrenden Bremsendienst ist ein Bremskolbenrücksteller (Abb. 7 a) und ein Bremsenentlüftungsgerät (Abb. 7 b) sehr praktisch. Für den Wechsel von Ölfilterpatronen verwendet man gern einen modellspezifischen Ölfilterschlüsselaufsatz (Abb. 7 c) für die 1/2" Knarre. Wer selbst eine Mehrvergaseranlage synchronisieren möchte, benötigt dazu einen Synchrontester z. B. von Rothewald mit 2 (Abb. 7 d) oder 4 Uhren (ohne Abb.). Um Fehler an der Zündanlage aufzuspüren, ohne Defekte an der Bordelektronik zu riskieren, verwendet man einen (übrigens recht preiswerten) Zündspannungs-Prüfer (Abb. 7 e). Ebenfalls kein Vermögen kostet ein Multimeter, z. B. von Rothewald (Abb. 7 f), zum Auffinden von Fehlern am Stromkreis deines Motorrades.

Ist das Gewinde eines Bolzens beschädigt, lässt es sich häufig per metrischer Gewindefeile (Abb. 8) wieder richten.

Abb. 9 a – Gewindeschneidersatz und Bohrersatz

Abb. 9 a: Gewindeschneider- und -Bohrersatz

Abb. 9 b – Werkstatt-Rollsitz

Abb. 9 b: Werkstatt-Rollsitz

(Abb. 9: ... sowie ein Handgewindebohrer- und Gewindeschneide-Sets und ein Werkstatt-Rollsitz.)

Wer einen Oldie sein Eigen nennt oder sich gern als Customizer betätigt, wird hin und wieder Gewinde reparieren oder selbstgefertigte Teile mit Neugewinden versehen müssen. Mit einem guten Gewindeschneider- und -Bohrersatz (Abb. 9 a) ist das kein Problem. 

Im Gegensatz zu einem Gewindeschneider (Abb. 9 a) richtet diese das vorhandene Material wieder auf, statt Material zu entfernen und das Gewinde weiter zu schwächen. Mehr zum Thema Gewinde findest du im Schraubertipp Gewinde schneiden.

Entspanntes Werken am Bike erhöht den Spaß am Hobby. Ein bequemer Rollsitz (Abb. 9 b) für das Schrauben am Motorrad rundet das Equipment daher sinnvoll ab und ist keineswegs überflüssiger Luxus – denn eine gute Sitzhaltung vor dem Fahrzeug ist nicht nur komfortabel, sie fördert auch das konzentrierte, überlegte Arbeiten.


Mehr Komfort beim Schrauben

Besonders hilfreiche Werkzeuge, die kein Muss sind, aber den Schrauberalltag unheimlich versüßen. Ein Ratschenschlüsselsatz (Abb. 10 a) bildet eine tolle Kombination aus Knarre und Ringschlüssel. Er kann einfach überall dort eingesetzt werden, wo eine „normale“ Ratsche oder Knarre zu groß ist, z. B. in engen Stellen am Motorrad.

Abb. 10 a – Ratschenschlüsselsatz

Abb. 10 a: Ratschenschlüsselsatz

Abb. 10 b – Magnetheber

Abb. 10 b: Magnetheber

Abb. 10 c – Magnetschale

Abb. 10 c: Magnetschale

Abb. 10 d – Magnetische Werkzeugleiste

Abb. 10 d: Magnetische Werkzeugleiste

(Abb. 10: Ein Ratschenschlüsselsatz, ein Magnetheber mit LED-Beleuchtung, eine Magnetschale und eine magnetische Werkzeugleiste sind komfortable Extras.)

Ein weiteres Highlight ist ein Magnetheber (Abb. 10 b). Damit lassen sich z. B. Muttern, die an sonst unzugänglichen Stellen heruntergefallen sind, wunderbar raus angeln. Magnetheber gibt es auch mit LED-Beleuchtung. In der Dunkelheit verloren gegangene Kleinteile lassen sich so wieder aufspüren.

Damit erst gar nichts verloren geht, schafft eine Magnetschale (Abb. 10 c) für Kleinteile Abhilfe. Durch den fest verbundenen Magneten im Schalenboden geht keine Schraube, Mutter oder Scheibe mehr verloren.

Das Gleiche gibt es für Werkzeuge: die magnetische Werkzeugleiste (Abb. 10 d). Das Werkzeug fliegt so nicht mehr in der Gegend herum, ist höchst variabel und sofort griffbereit.

Flaschenöffner

Flaschenöffner

Das wichtigste Werkzeug zuletzt

Eins darf natürlich nicht fehlen: Um den Schraubertag krönend abzuschließen, gehört ein Flaschenöffner mit ins Werkzeug-Programm.


Unsere Empfehlung


Das Louis Technikcenter

Solltest du eine technische Frage zu deinem Motorrad haben, wende dich gerne an unser Technik-Center. Dort hat man Erfahrung, Nachschlagewerke und Adressen ohne Ende.

Bitte beachten!

Bei den Schraubertipps handelt es sich um allgemeine Vorgehensweisen, die nicht für alle Fahrzeuge oder alle einzelnen Bauteile zutreffend sein können. Die jeweiligen Gegebenheiten bei dir vor Ort können unter Umständen erheblich abweichen, daher können wir keine Gewähr für die Richtigkeit der in den Schraubertipps gemachten Angaben übernehmen.

Wir danken für dein Verständnis.


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